EINLEITUNG
Im Vorwort zum ersten Band dieses
Handschriftenverzeichnisses beschränkte sich Franz Gosch, der damalige Direktor
der Grazer Universitätsbibliothek, auf einen flüchtigen Überblick über den
Ursprung und die Entwicklung der Grazer Handschriftensammlung. Eine
ausführliche Darstellung der Geschichte und des Aufbaus dieser Sammlung aus der
Feder des Katalogbearbeiters Anton Kern war als besonderer Abschnitt im
Registerband geplant. Die Fertigstellung des Manuskriptes für den zweiten Band
und die Arbeit am Abschnitt MITTELALTER in der zweiten Auflage des Handbuches
für Bibliothekswesen beanspruchten diesen aber so stark[1],
dass er seine in 35jährigem Umgang mit den Grazer Handschriften gemachten
Erfahrungen, soweit sie gerade diese Sammlung betrafen, mit ins Grab nahm, ohne
sie zu Papier gebracht zu haben. Was die Methode zur Erforschung unserer
Handschriftensammlung anlangt, so hat schon der spätere Direktor der
Universitätsbibliothek, Ferdinand Eichler, nach 20jähriger Diensterfahrung mit
der Quellenangabe vertraut geworden, die einzig mögliche Art erkannt und sie in
einem Festgruß an seine Berufskollegen 1909 klar formuliert[2]:
"Was damals (d. h. bei den Klosteraufhebungen) tatsächlich in die Grazer
Bibliothek gekommen ist, ist heute noch nicht im einzelnen festgestellt und
kann auch nur durch mühevolle Arbeit mit Zuhilfenahme der Bücherbestände selbst
aufgeklärt werden." Diese Arbeit ist von Anton Kern durch den vorliegenden
Katalog für die Handschriften geleistet worden; für die Inkunabeln und anderen
Bücher ist eine Vorbesitzerkartei, begonnen von Franz Gosch, langsam im Aufbau,
harrt aber noch der systematischen Ergänzung und Bearbeitung. Einige vor Jahren
im Steiermärkischen Landesarchiv entdeckte Klosterbibliothekskataloge aus der
Aufhebungszeit ermöglichen noch Zuweisungen über Kern hinaus, vor allem bei der
Kartause Seitz, sie zeigen allerdings auch deutlich die teilweise großen Verluste,
die bei der Überstellung nach Graz eingetreten sind. Von der einstigen Pfarrschule zu St. Ägyden in Graz hat
sich keine greifbare Spur bis in unsere Zeit herübergerettet; ein Lektionar
dieser Kirche, heute Hs. 436, kann als die am längsten in Graz beheimatete
Handschrift unserer Sammlung gelten[3]. Die Gründung der Universitätsbibliothek in Graz fällt in
eine Zeit, in welcher nur mehr das gedruckte Buch als Wissensvermittler in
Frage kam. Erst durch die Übernahme organisch in Jahrhunderten gewachsener
Klosterbibliotheken, die vor der Erfindung des Buchdrucks - und noch darüber
hinaus - ihren Bücherbedarf durch Abschreiben decken mussten, gewann die Grazer
Handschriftensammlung an Bedeutung. Diese Übereignung in den Jahren 1782-1786
fand aber erst statt, als auch in den Klosterbibliotheken längst das gedruckte
Buch den Hauptteil ihrer Büchersammlungen bildete. Daher ist die Geschichte der
Grazer Handschriftensammlung so eng mit der Geschichte der ganzen Bibliothek
verknüpft, dass zu ihrem Verständnis zunächst kurz die Geschichte der ganzen
Bibliothek gestreift werden muss; darnach folgt alles bisher Ermittelbare über
die größeren Klosterbibliotheken in der Reihenfolge ihres Eintreffens in Graz,
während die kleineren Bibliotheken in einen eigenen Abschnitt zusammengefasst
sind. Den Abschluss bilden die Geschichte der Grazer Handschriftenbeschreibung
bis zum jetzt vorliegenden Registerband mit den Hinweisen für dessen Benützung. GESCHICHTE DER GRAZER UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK. Die bald vierhundertjährige Geschichte der Grazer
Universitätsbibliothek lässt sich in zwei fast gleich lange Abschnitte teilen:
der erste umfasst die Jahre 1573 bis 1773, die Zeit der Bibliotheca Collegii Societatis Jesu Graecii. Die Einrichtung,
Erhaltung und Vermehrung der Bibliothek war damals Aufgabe der Jesuiten. Der
Landesfürst half anfangs durch Zuweisung von Beständen aus einstigen Klöstern
oder solchen, deren Auflösung man veranlassen wollte. Im Jahre 1773 traf die
Jesuiten selbst dieses Schicksal: die Aufhebung des Ordens durch Papst Klemens
XIV. gab dem Staate die Gelegenheit, diesen herrenlos gewordenen Besitz in die
öffentliche Verwaltung zu übernehmen. Damit beginnt der zweite Abschnitt in der
Geschichte unserer Bibliothek, der sich insofern lückenlos an den ersten
anschließt, als eine Reihe von Ex-Jesuiten als Weltpriester in den Staatsdienst
übertrat und so die Geschäfte ihrer früheren Universität weiterführten,
allerdings jetzt auf Weisung der Wiener Behörden. Gleich nach der Ordensaufhebung wurde der frühere Rektor
Josef Barderini zum provisorischen Bibliothekar bestellt, 1775 wurde die
Bibliothek offiziell als öffentliche Bibliothek mit dem Theologieprofessor
Richard Tecker als provisorischem Bibliothekar erklärt. 1778 schrieb eine
Wiener Instruktion die Anlage von Katalogen vor[4],
eine Hofverordnung vom 13. Januar 1781 enthielt das Verbot, Handschriften nach
Hause zu entlehnen[5]. Ab 15.
Januar 1781 war die Universitätsbibliothek mit dem Pflichtexemplarrecht
ausgestattet. Die Aula academica, früher Schauplatz glanzvoller
Theateraufführungen, wurde als Bibliothekssaal eingerichtet und am 19. März
1781 feierlich eröffnet. Dort standen zunächst die Bücher der früheren
Jesuitenkollegien in Graz, Leoben, Judenburg und Marburg. An rund 2500 dieser
Bände sind noch heute die charakteristischen Signaturen an den Buchrücken zu
sehen, mindestens ebenso viele Bände haben ihre schwarzen Nummern auf blauen
Zetteln durch die Ortsveränderungen und Umstellungen verloren. Das Jahr 1782 brachte zunächst die Degradierung der
Universität zu einem Lyceum und damit auch die Bezeichnung der Bibliothek als
Lycealbibliothek. Dann aber begann, gleichsam als Ausgleich für die
Rangminderung, durch die nun einsetzenden Klosteraufhebungen eine ungeheure
Vermehrung der Bestände: rund 40 Klöster der Steiermark mussten laut
kaiserlicher Verordnung ihre Bibliotheken nach Graz abliefern; so kamen, um nur
die bekanntesten zu nennen, aus der Kartause Seitz rund 3800, aus dem
Chorherrenstift Seckau rund 4000, aus dem Dominikanerkonvent in Pettau etwa
1000, schätzungsweise 2000-3000 aus dem Zisterzienserstift Neuberg und als letzter
und größter Zuwachs. die Bibliothek des Benediktinerstiftes St. Lambrecht mit
rund 10.000 und die dazugehörige des Priorats Mariazell mit rund 4000 Bänden im
Laufe von fünf Jahren hierher zusammen. Mit den schier unlösbaren Problemen der Unterbringung und
Nutzbarmachung wurde der Weltpriester August Herz beauftragt; am 11. August
1785 war er zum ersten definitiven Bibliothekar ernannt worden. Er zeigte sich
aber dem letzten Ansturm aus St. Lambrecht und Mariazell nicht mehr gewachsen;
die Bibliothek wurde unbenutzbar. Seine Kritiker warfen ihm vor, 18.000 Bände
verkauft oder "in die Stampfe" befördert zu haben[6].
Der Professor für Moraltheologie Josef Alois Jüstel erhielt den Auftrag, die
Bibliothek wieder benutzbar zu machen. Seinem gründlichen Revisionsbericht[7]
verdanken wir fast alle unsere Kenntnisse über die damalige Bibliothek. Als
Richtlinien für seine neue Arbeit verfasste er 1798 einen Amtsunterricht, heute Hs. 154, in welchem er u. a. die Anlage von kritischen Kataloge ,
vorzüglich über Manuscripte und erste Denkmäler der Buchdruckerkunst verlangte. Trotz der kriegerischen Zeiten, in denen Graz zweimal die
Truppen Napoleons in seinen Mauern hatte, bemühte man sich nach besten Kräften
um die Aufarbeitung der Bestände und deren Erschließung durch Kataloge. Die
Vermehrung der Bibliothek durch Kauf hielt sich wegen der geringen Dotation in
sehr bescheidenen Grenzen. Größere Erwerbungen brachten nur Geschenke oder
Legate[8]. Aus der inneren Geschichte der Universitätsbibliothek im
19. Jh., deren ausführliche Darstellung hier nicht gegeben werden kann, sei nur
die erste Bestandszählung von 1828 mit dem Ergebnis von rund 37.000 Bänden und
die des Jahres 1880 mit über 100.000 Bänden erwähnt. Dieser stetige Zustrom von
Büchern erzwang den Übergang von der systematischen Aufstellung zum raumsparenden
Numerus currens, der auch die Handschriften erfasste. 1895 übersiedelte
die ganze Universität mit der Bibliothek ins neue Gebäude am damaligen Ostrand
der Stadt. Die Handschriften stehen nun, nach mehreren Aufstellungsversuchen,
seit nahezu 50 Jahren in einem eigenen, gesicherten Magazin. Der drohenden
Vernichtung durch Bomben im zweiten Weltkrieg versuchte man durch Auslagerung-
der Handschriften, Inkunabeln und anderer wertvoller Bücher an verschiedene
Orte des Landes zu entgehen. Aus den vermeintlichen Bergungsorten im Süden des
Landes kamen einige Kisten nicht mehr zurück; ihr Inhalt muss als verloren
gelten[9].
Der zwar spärliche, aber doch stetige Zuwachs. an Handschriften konnte 1952 in
einem besonders geschätzten Abteil des Magazin-Erweiterungsbaues untergebracht
werden, in welchem sich auch die Inkunabeln befinden, die, wie die
Handschriften, zum größten Teil ehemaliger Klosterbesitz waren. Die technischen Hilfen der Xerokopie und des Mikrofilms
ermöglichen es jetzt, die Handschriften und Inkunabeln als reine Präsenzbibliothek
zu bewahren.[10] IHRE BAUSTEINE: DIE JESUITENBIBLIOTHEK. Die Handschriftenerwerbungen der Jesuiten waren mehr oder
minder dem Zufall überlassen, denn die 1573 errichtete Lateinschule in Graz war
eine auf Nützlichkeit ausgerichtete Institution; ihre Bibliothek benötigte wohl
Bücher aus verschiedenen Interessenbereichen, aber nicht vielfach mühsam zu
lesende Handschriften. Ergab sich aber die Möglichkeit, solche zu erwerben,
griff man natürlich zu, besonders wenn diese künstlerischen Schmuck aufzuweisen
hatten. Einen Beweis dafür haben wir in der Überlieferung sogar des Datums, an
welchem eine der beiden illuminierten Bibelhandschriften, welche der
Landesfürst seiner Stiftung überließ, aus der Hofbibliothek in Graz in die
Lateinschule kam[11]. Der
Versuch, die Büchersammlungen der Kartausen Seitz und Gairach nach Graz zu
ziehen, war nicht sehr erfolgreich: aus Gairach, dessen Ganzer Besitz den
Jesuiten übergeben wurde, ist nur eine einzige Handschrift erhalten, die
heutige Sign. 135[12],
während aus Seitz nachweisbar nur die dreibändige heutige Handschrift 87 in
Graz verblieb[13]. Weitaus größer war der Gewinn aus der Millstätter[14]
Bibliothek: von dort gelangten 1577 und 1588 mit einer Reihe von Inkunabeln und
Frühdrucken auch 47 Handschriften nach Graz[15].
Die Bibliothek in Millstatt bestand ihrerseits wiederum aus zwei Teilen: dem
älteren, im Laufe von vier Jahrhunderten erarbeiteten oder erworbenen
Handschriften des Benediktinerstiftes, und dem jüngeren aus der Zeit des
St.-Georgs-Ritterordens[16].
Nur diese Handschriften tragen noch Bibliothekssignaturen und Besitzzeichen
mittelalterlicher Herkunft auf ihren Einbänden[17]
Unbekannt sind die Vorbesitzer von 19 Handschriften der Jesuitenbibliothek. Der Studienbetrieb und die Erfordernisse des
Gottesdienstes waren auch noch im 16., 17. und 18. Jahrhundert an der
Vermehrung des Handschriftenbesitzes beteiligt; ihm verdanken wir neben einer
Reihe von Musikhandschriften die für die Geschichte der Universität wichtigste
Quelle, die Matrikel, heute Hs. 58/I[18];
darin sind Jahr für Jahr die neu angekommenen Studenten, nach ihren
Studienfächern geordnet, eingetragen. Auch am Internat, dem Ferdinandeum, wurde
in den Jahren 1588-1684 über die Stipendiaten Buch geführt; diese Quelle gibt
mehr Auskünfte als die kargen Angaben der Matrikel, denn hier sind die Namen
der Eltern, Heimat, Alter, Protektoren und wirtschaftliche Möglichkeiten der
Stipendiaten zu finden, bisweilen auch als Nachtrag die Laufbahn eines berühmt
-gewordenen Zöglings[19].
Nachschriften der Vorlesungen in Graz sind uns z.T. direkt über die
Jesuitenbibliothek, z.T. auf dem Umweg über die Klöster, die ihre Angehörigen
zum Studium nach Graz -geschickt hatten, erhalten. Was wissen wir über die Katalogisierung und Aufstellung
der Handschriften bei den Jesuiten? Die älteste erhaltene Erwerbseintragung
steht in der heutigen Hs. 874 mit dem Datum 21.
November 1576[20]. Der in
vielen Handschriften ausdrücklich genannte Catalogus
manuscriptorum 1612 ist, wie die übrigen 27 Bände dieser Bibliothek, am
Ende des 18. Jh.s verlorengegangen und damit für uns die Aussicht, über die
erhaltenen (und möglicherweise auch abhanden gekommenen) Manuskripte und ihre
Vorbesitzer je noch etwas zu erfahren. Die wenigen auf den Rücken dieser
Handschriften erhaltenen blauen Zettel mit schwarzen Zahlen gleichen vollständig
denen der Bücher und sprechen daher gegen eine gesonderte Aufstellung. Diese zahlenmäßig bescheidene, zeitlich, inhaltlich und
herkunftsmäßig so verschiedene Gruppe von Handschriften bildete als 1773 den
ersten öffentlichen Handschriftenbesitz in Graz. Er wuchs. nach einem Dezennium
der Ruhe in den Jahren 1783 bis 1786 durch die Folgen der Klosteraufhebungen um
mehr als das Zehnfache an. DIE SEITZER BIBLIOTHEK. Die ersten Aufhebungsdekrete Kaiser Josefs II. wurden den
beschaulichen Orden zugestellt allen voran den Kartausen, in der Steiermark
also der Kartause Seitz. Sie war um 1160 als erstes Kloster dieses Ordens auf
deutschem Boden gegründet und direkt von der Grande Chartreuse aus besiedelt
worden. In der Zeit des abendländischen Schismas tagte hier das Generalkapitel
des romtreuen Ordenszweiges. Am Anfang des 14. Jh.s übersetzte in Seitz Bruder
Philipp die Vita BMV et salvatoris rhythtmica ins Mittelhochdeutsche;
1342 war der literarisch tätige Konrad von Hainburg, aus der Kartause Gaming
Prior in Seitz[21], während
Nikolaus Kempf, der Verfasser zahlreicher mystischer Schriften, als Prior den
benachbarten und verbrüderten Kartausen Gairach und Pletriach vorstand. Daraus
ergibt sich mit Selbstverständlichkeit das Vorhandensein einer ansehnlichen
Bibliothek[22], die sicher
zum Teil der Türkennot zum Opfer gefallen ist[23].
Der kärgliche Rest aus der Frühzeit ist ein Missalefragment aus dem 13. Jh.,
das im 15. Jh. als Innenverklebung im dritten Band der heutigen Hs. 87
Verwendung gefunden hatte. Auf 17 bei der Aufhebung nach Graz und 4 nach Wien[24]
gelangten Handschriften des 15. Jahrhunderts sind noch zeitgenössische
Signaturen, Buchstaben und Ziffern, auf den Vorderdeckeln erhalten; ein dem Aggsbacher
Katalog[25]
ähnliches Verzeichnis ist daher auch für Seitz anzunehmen. Der Versuch der
Jesuiten[26], ihre
Bibliothek in Graz mit Hilfe des in Seitz Verbliebenen aufzubauen, war für die
Kartäuser ein heilsamer Schock; sie begannen ihre Bibliothek nicht nur durch
den Ankauf von Büchern zu vermehren, sondern sie schrieben auch noch fleißig im
17. Jh. mit der Hand, freilich vielfach Auszüge aus (entliehenen?) Büchern; so
sind uns noch 35 Handschriften des 17. Jh.s erhalten, darunter sogar große
Antiphonarien mit Noten wie die Sign. 7, 18 und 21. Damals sind wahrscheinlich die roten Rückensignaturen als
Besitzzeichen angebracht worden, deren höchstvorhandene 214, auf Sign. 979 noch
lesbar, auf einen Verlust von mindestens hundert Handschriften schließen lässt[27].
Diese von der Signierung der Bücher abweichende Form[28]
darf wohl auch als Hinweis einer gesonderten Aufstellung der geschriebenen von
den gedruckten Büchern gewertet werden. Als in Ausführung des am 22. Januar 1782 ausgestellten
Aufhebungsdekretes die Seitzer Bibliothek diesmal endgültig nach Graz versandt
werden musste, kam kein Katalog mit; die Arbeit, die 2974 Werke in 3774 Bänden
zu ordnen, war am 13. Januar 1783 vollendet[29].
Drei verschiedene Hände[30]
verzeichneten auf 73 Blättern die Bücher in einem Autoren- bzw. Titelalphabet,
geben Größe, Bandzahl und, wenn vorhanden, Erscheinungsort und- jahr an. Die
Handschriften sind teils im normalen Alphabet, wo anstelle des Erscheinungsvermerkes (manu)scriptum geschrieben wurde,
teils am Anfang des Buchstabens M als M(anuscripta)
eingereiht. Von den 116 nach Graz gekommenen Handschriften konnten 103 mit
diesen Eintragungen identifiziert werden. Zugleich fand eine bisher offene
Frage ihre klare Antwort: die Handschriften aus den niederösterreichischen
Kartausen Aggsbach, Gaming und Mauerbach sind über Seitz nach Graz gekommen. Eine noch nicht voll ausgewertete Primärquelle für die
Kartause Seitz ist deren heutige Handschrift 640, in ihren älteren Angaben eine
Abschrift eines (Verlorenen,) noch älteren Nekrologs; daraus wird die enge
Verbundenheit vor allem der Kartausen Seitz, Gairach, Freudenthal und Pletriach
dokumentiert, aber auch die Beziehungen zu Frankreich, Italien bis Spanien und
Portugal, während andere Klöster der Steiermark kaum je genannt sind.
Besonderen Wert haben die Handschriften des Nikolaus von Kempf, dessen
kritische Ausgabe seiner Schriften vorbereitet wird[31].
Aus den Schicksalen der Kartause erklärlich und auch dem Wesen des Ordens
entsprechend, sind von dort fast keine illuminierten Handschriften überliefert.
Die Miniaturen der Hs. 201 haben mit dem Buchschmuck des Mittelalters nicht
mehr viel gemein. DIE SECKAUER BIBLIOTHEK. Aus dem am 13. Mai 1782 aufgehobenen Augustiner
Chorherrenstift Seckau, das 1140 gegründet worden war, kam eine Bibliothek samt
einem dazugehörigen Katalog, der heutigen Sign. 2039, nach Graz. Im 17. Jh. war
er auf Zuwachs. hin angelegt worden und verzeichnet auf 281 gleichzeitig
durchgezählten Seiten 3178 Werke ohne Erscheinungsvermerk, aber mit Signaturen.
Die meisten Handschriften sind an dem Zusatz (manu)scriptum oder in pergameno zu erkennen. Eine Hand des 18.
Jh.s schrieb auf die letzten leeren Blätter, heute Bl. 215-219v, Nachträge in
alphabetischer Reihenfolge. Am Rand des ganzen Kataloges ist mit Rotstift eine
Umordnung nach Gruppen, wie Ascet., Jur.,
Hist. Eccles., Hist. Prof. etc. vermerkt, die auch einige Handschriften
erfasst hat[32]. Die ursprünglichen Katalogsignaturen bestehen aus ein-,
zwei- und dreifachen Großbuchstaben, einem gleichlautenden Kleinbuchstaben und
einer Ordnungszahl[33].
Auf 61 einstigen Seckauer Handschriften sind heute noch diese von Kern nicht
erwähnten Signaturen voll oder mit Hilfe des Kataloges ergänzbar abzulesen[34].
Die Inhaltsangaben des Kataloges decken sich fast durchwegs mit den am oberen
Einbandrücken angebrachten Papierzetteln. So konnten von den 325 aus Seckau
nach Graz gekommenen Handschriften 184 eindeutig identifiziert werden[35];
manche vorhandene Handschrift ist mit keiner der Katalogangaben in
Übereinstimmung zu bringen. Die Überprüfung des Aufstellungsschemas in der
Seckauer Bibliothek brachte folgendes Ergebnis: inhaltlich zu einer Gruppe
gehörende Handschriften - sie bilden vielfach geschlossen signierte Abteilungen
- passen auch größenmäßig und in der Einbandfarbe zu einander[36],
so dass wir eine durch das Aussehen bedingte Variierung einer Systematik
annehmen dürfen, was wohl dem Empfinden der Barockzeit zuzuschreiben ist. Auch in Seckau haben sich aus dem 15. Jh. zahlreiche
Spuren bibliothekarischer Ordnungstätigkeit erhalten: meist sind es
Pergamentschildchen mit Inhaltsangaben[37].
Einzelne Einbände tragen ihre Inhaltsangabe direkt auf dem Leder des
Vorderdeckels. Seckau steht mit 71 heute noch erhaltenen Handschriften
aus dem 12. Jahrhundert an der Spitze der in der Steiermark aufgehobenen
Klöster. Nimmt man noch die Codices dazu, welche dem von Seckau aus
mitbesiedelten Stift Vorau als Ausstattung mitgegeben worden sind[38],
so muss auf eine erstaunlich produktive Schreibschule in diesem obersteirischen
Stifte geschlossen werden[39].
Zu den ausführlichen Angaben über die Frühzeit in MBKÖ S. 88-92, den Nachlass
des Bischofs Ulrich von Albeck und das Legat des Otto Tardus, ist in der
Zwischenzeit nicht viel Neues erarbeitet worden[40].
Beachtung findet besonders die Hs. 756, deren liturgiegeschichtlich bedeutsamer
Inhalt noch lange nicht voll ausgeschöpft ist; das Antiphonar der Hs. 211 ist
auf Grund einer späten Eintragung als Codex
Albensis faksimiliert worden[41]. Nach diesem ersten Zuwachs aus zwei steirischen
Klosterbibliotheken folgte in Graz eine kurze Zeit der Ruhe; aber es war nur
eine Ruhe vor dem Sturm. 1786 kamen die Bestände von vier größeren Bibliotheken
in die Landeshauptstadt, jede hatte einen Katalog ihrer Bestände mitgeben
können. DIE PETTAUER BIBLIOTHEK. Am 17. Januar 1786 wurden die Dominikaner in Pettau
aufgehoben. Dieser Konvent hatte seit seiner Gründung 1231 eine bescheidene
Bibliothek aufgebaut, in der Frühzeit z. T. selbst geschrieben, z. T. vom
Studium in Paris oder Italien von den Fratres mitgebracht, später durch gedruckte
Bücher vermehrt. Im 15. Jh. waren schon so viele Handschriften beisammen, dass
sie durch Signaturen gekennzeichnet und geordnet werden mussten[42],
auch eine Klosterbuchbinderei mit eigenem Stempelmaterial war hier tätig[43]. Von einem mittelalterlichen Bücherverzeichnis Pettaus ist
bisher nichts bekannt geworden, seine Existenz aber sehr wahrscheinlich. Knapp
vor der Aufhebung scheint der Katalog, der sich im Steiermärkischen
Landesarchiv befindet, geschrieben worden zu sein[44].
Er ist nach Gruppen wie Ascetae,
Biographi, Canonistae etc. geordnet; jede Gruppe beginnt ihre Bücher mit 1
zu zählen. Es sind die Titel, Autoren, Erscheinungsjahr, Format und Bandzahl
von 854 Werken in 931 Bänden erfasst. Die Handschriften sind z. T. durch den
Vermerk man. nach der Formatangabe,
sonst nur am Fehlen des Erscheinungsvermerkes zu erkennen; die zeitweilige
Notiz gotisch steht auch bei
Inkunabeln und Frühdrucken. Am unteren Rand der heutigen Handschrift 120 ist die im
Katalog verzeichnete Nummer noch deutlich zu sehen. Außer dieser eindeutigen
Identifizierung gelingt eine mehr oder minder wahrscheinliche nur bei 14 der
insgesamt 32 Pettauer Handschriften[45]. DIE NEUBERGER BIBLIOTHEK. Einen Monat nach Pettau, am 18. Februar 1786, erfolgte
die Aufhebung des Zisterzienserklosters Neuberg. Es war 1327 von Heiligenkreuz
aus gegründet und besiedelt worden; von dort ist eine Reihe bemerkenswerter
Handschriften mit Federzeichnungen als Ausstattung mitgekommen[46].
Noch im Gründungsjahrhundert arbeitete das Neuberger Scriptorium fleißig an der
Vermehrung seiner Bibliothek, so dass heute noch 83 Codices des 14. Jh.s
erhalten sind. Mit 134 Handschriften aus dem 15. Jh. steht Neuberg an der
Spitze der aufgehobenen steirischen Klöster. Durch seinen engen Beziehungen zum
Mutterkloster Heiligenkreuz und von diesem zur Universität in Wien wurde es
eine Sammelstätte von Texten, die dort verwendet oder geschrieben worden sind[47].
Die nicht minder rührige Klosterbuchbinderei des 15. Jh.s ist eingehend
untersucht worden; es konnten drei einander ablösende Phasen ihrer Tätigkeit
festgestellt werden[48].
Wie ergiebig selbst Bruchstücke von Predigten für die Kulturgeschichte eines
Landes sein können, hat Kurt Lindner[49]
in einer eingehenden Untersuchung zeigen können. Eine paläographische Bearbeitung der zahlreichen
Sammelhandschriften wäre sicher ebenso lohnend wie aufschlussreich für die
geistigen Interessen der einzelnen Schreiber. Auch eine Untersuchung der
illuminierten Handschriften Neubergs und ihr Zusammenhang mit den Miniaturen in
Heiligenkreuz könnte schöne Ergebnisse bringen. Wie alle bisher erwähnten Klosterbibliotheken überliefert
auch Neuberg auf seinen Einbänden Reste von Beschriftungen aus dem 15. Jh.: der
Titel und eine Ordnungszahl sind sorgfältig auf schmale Pergamentstreifen
geschrieben und auf die Vorderdeckel geklebt[50].
Im 17. Jh., als schon die gedruckten Bücher in der Überzahl waren, nahm sich
ein Bibliothekar seiner Handschriften an, signierte sie groß und deutlich mit
einer Zahl am oberen Rückenfeld und schrieb den Inhalt des Bandes auf ein
Papierschildchen, das er ebenfalls am Rücken, unter der Signatur, befestigte.
Die höchsterhaltene dieser Signaturen ist 521 auf der heutigen Hs. 862[51].
Da bisher noch an keinem Buch aus der Neuberger Bibliothek eine ähnliche
Kennzeichnung entdeckt werden konnte, dürfen wir daraus auf eine gesonderte
Aufstellung der Handschriften schließen. Laut Revisionsbericht konnte der
Neuberger Katalog bei der Aufhebung als Übergabe-Inventar benützt werden[52]. DIE ST. LAMBRECHTER BIBLIOTHEK. Die Aufhebung des Stiftes am 14. März 1786 unterbracht[53]
eine fast achthundertjährige Kommunität; die Bibliothek war die umfangreichste
aller steirischen aufgehobenen Klöster. Sie besaß einen Katalog ihrer Bücher,
heute Hs. 416, der in je einem Autoren- und einem Anonymen-Alphabet rund 10.000
Werke mit ihren (heute noch vielfach erhaltenen) Rückensignaturen verzeichnet.
Der zu St. Lambrecht gehörende Bücherschatz in Mariazell ist auf die
gleiche Weise in der heutigen Hs. 505 festgehalten und enthält rund 4000
Eintragungen; der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Katalogen besteht
darin, dass im Mariazeller Katalog auf Bl. 484 auch einige Handschriften
zusammengestellt sind, während St. Lambrecht ein eigenes Verzeichnis seiner
Manuskripte besaß, das um 1680 angelegt worden war[54].
Seine Signaturen sind heute noch vielfach auf den Rücken der St. Lambrechter
Handschriften zu erkennen. Zwischen 1677 und 1680 waren alle Codices des
Stiftes einer eingehenden Überprüfung der Einbände unterzogen und dabei
vielfach neu gebunden worden; diese neuen Einbände sind durchwegs mit der Jahreszahl
der Erneuerung versehen. Der langjährige Stiftsarchivar von St. Lambrecht und
Freund Anton Kerns, Othmar Wonisch, stellte eine Signaturenkonkordanz der
heutigen Grazer Signaturen mit denen des St. Lambrechter Verzeichnisses her[55];
richtet man diese Konkordanz nach den St. Lambrechter Signaturen aus, so zeigt
sich erfreulicherweise, dass diese fast geschlossen nach Graz gekommen sind[56]:
48 fehlenden Signaturen stehen 14 zweimal vorhandene gegenüber, während die Einreihung
bei 14 Codices unsicher ist. Diese Ordnung des späten 17. Jh.s hatte auch hier
Vorläufer im 15. Jh.; ihre eingehende Untersuchung ist noch ausständig[57].
Die beiden Inventare aus dem 12. Jh. bzw. um 1200, in den Hs. 148/II und 180
erhalten, sind mustergültig veröffentlicht[58].
Im Vergleich zu Seckau mit 71 Handschriften aus dem 12. Jh. steht St. Lambrecht
mit nur 43 ganz aus dem 12. Jh. stammenden wesentlich ärmer da. Aber auch hier
gab es neben der Schreibschule eine eigene eifrig tätige Miniatorenschule. Die
kunsthistorisch interessanten Handschriften reichen vom irischen Flechtwerk des
9. Jh.s in Hs. 412 über die neun ganzseitigen Miniaturen aus dem Leben des hl.
Benedikt in der heutigen Sign. 325 aus dem 12. Jh., einen hl. Ambrosius als
Titelbild des 13. Jh.s in Sign. 134 bis zum Ausklang der gotischen Buchmalerei
im Jahre 1510 in Sign. 56/111 und 108; die Herkunftsländer illuminierter
Handschriften sind Italien, Katalonien[59],
Frankreich und der süddeutsche Raum. Sie sind bisher weder einzeln noch im
Zusammenhang bearbeitet worden. DIE BIBLIOTHEKEN DER KLE1NEREN KLOSTER. Diese Zusammenfassung über die Aufhebung der kleineren
Klöster in der Steiermark und ihrer Erträge für unsere Bibliothek folgt wie die
der größeren Stifte der Chronologie ihrer Auflösung. Aus den beiden Grazer Klöstern, welche am 21. Januar 1782
aufgehoben worden sind, den Karmeliterinnen und Klarissinnen, hat die
Lycealbibliothek wohl Bücher, aber keine Handschriften übernommen. Dengg
schrieb den Katalog der abgelieferten Bände. Das am 22. Januar d. J. aufgehobene
Klarissinnenkloster in Judenburg lieferte die heutige Hs. 1620 vorschriftsmäßig
ab[60].
Entgegen allen Erwartungen ist vom ältesten Kloster der Steiermark, dem Stift
Göß, weder ein Buch noch eine Handschrift nach der Aufhebung am 21. März 1782
erhalten geblieben; laut Revisionsbericht gab es auch keinen Katalog der
dortigen Bibliothek. Dasselbe gilt von dem am gleichen Tag aufgehobenen
Dominikanerinnenkloster in Studenitz, während ihre Mitschwestern in Mahrenberg
einige späte handgeschriebene Antiphonare abliefern konnten, die Dengg in einem
Verzeichnis festhielt. Die Cölestinerinnen in Marburg, aufgehoben am 2. April
d. J., und die Pauliner zu Ulimie, aufgehoben am 3. September, hatten nichts
zur Vermehrung der Grazer Bibliothek beigetragen. Für das am 5. März 1783
aufgehobene Trinitarierkloster in Graz schrieb wieder Dengg ein Verzeichnis der
übernommenen Bände; neben der einzigen von dort stammenden Hs. 1631 gibt es in
den Regalen der Universitätsbibliothek zahlreiche Bücher mit den unverkennbaren
zierlichen roten Signaturen aus dieser einstigen Klosterbibliothek, aus deren
Beständen Wien keine Auswahl getroffen hat. Die am 10. April 1784 aufgehobenen Kapuziner in Marburg
und die am 30. Juli d. J. aufgelösten Dominikanerinnen in Graz hatten nichts
abzuliefern. Etwas ertragreicher gestalteten sich die Aufhebungen des
Jahres 1785: am 15. Juli war das Augustiner Chorherrenstift Stainz an
der Reihe. Als Gründung des 13. Jh.s hatte es sicher einst zahlreiche
Handschriften und später auch Bücher besessen[61];
was nach Graz kam, war ein kläglicher Rest, besonders was die Handschriften
betrifft: die heutige Bibelhandschrift 121 ragt durch Qualität des Pergaments
und schöne Schrift, das Antiphonar, Sign. 2, durch seine Größe, Einband und als
Dokument einheimischer Buchmalerei des ausgehenden 15. Jh.s hervor. Das Chorherrenstift Pöllau, erst 1504 von Vorau
aus gegründet, lieferte nach seiner Aufhebung am 11. Juli wohl Bücher, darunter
auch Inkunabeln, nach Graz, aber keine einzige Handschrift. Erst seit kurzem
wissen wir von der Existenz dreier Handschriften aus diesem Stift[62]. Einige späte Predigtaufzeichnungen und der Versuch einer
Stiftschronik, heute Hs. 544, sind neben einigen Büchern der ZuwacHs. aus dem
am 15. Juli aufgehobenen Chorherrenstift Rottenmann, dessen Bibliothek 1706
rund 1000 Bände gezählt hatte[63]. Die beschuhten Augustiner in Hohenmauten hatten bei ihrer
Aufhebung am 5. Oktober nichts abzuliefern. Die Pauliner in Mariatrost, aufgehoben am 10. Februar
1786, hatten einen Katalog, aber keine Handschriften abzuliefern; dasselbe gilt
von den Franziskanern in Feldbach und Friedau, deren Aufhebungstag der 5. April
1786 war. Die Nachzügler der Jahre 1787-1789, die Kapuziner in
Pettau, Graz, Mureck, die Dominikaner in Neukloster und die beschuhten
Augustiner in St. Leonhard hatten ebenso wenig verwertbare Bücher abzuliefern
wie die am 2. Dezember 1789 aufgehobenen Karmeliter in Graz. Auf welchem Wege
ein Buch und die heutige Hs. 218 aus dem Kapuzinerkloster in Cormons nach Graz
gelangte, wird kaum mehr zu erforschen sein, am ehesten über ein anderes
Kapuzinerkloster, das mit Cormons im Leihverkehr stand. Das Dominikanerkloster Leoben, das sich erst 1811
auflöste, hat eine seiner Handschriften, die heutige Sign. 657, schon früh,
wahrscheinlich über ein anderes Kloster, nach Graz abgegeben, denn es steht
unter seiner "alten Sign." 35/33 f° schon in dem vor 1810
geschriebenen Bandkatalog der Grazer Handschriften verzeichnet. Die dortige
Bibliothek war dreimal so umfangreich als die Bibliothek ihrer Mitbrüder in
Pettau; der bei der Auflösung verfügbare Katalog ist noch heute im
Steiermärkischen Landesarchiv, im Schuber Leoben, erhalten und verzeichnet die
Bücher in 10 Gruppen geordnet. DIE HANDSCHRIFTENBESCHREIBUNG AN DER UB GRAZ. Aus dem unten im Wortlaut angeführten Teil aus Jüstels
Revisionsbericht darf wohl geschlossen werden[64],
dass die Handschriften aus den Beständen der einlangenden Bibliotheken ausgesondert
und "im oberen Stock", aus dem sie später zur Signierung in den
Lesesaal geholt worden sind, zusammengestellt wurden. Ihre Zählung bei der
Revision 1798 ergab 903 Bände in Folio, 730 in Quart, 327 in Oktav und 21
Päckchen Anecdota. Dem Revisor Jüstel war es klar, dass die Handschriften -
neben den Inkunabeln - eine Sonderbehandlung erforderten. Seine im Amtslatein
der Jahrhundertwende abgefasste Verteilung der Codices auf die Scrinia 33-43[65]
hat über sieben Jahrzehnte Geltung gehabt und ist uns unter Berücksichtigung
einiger Änderungen in den Angaben "Alte Sign." bis in den gedruckten
Katalog erhalten geblieben. Der entsprechende Abschnitt des Berichtes lautet: Codices
manuscripti. Distributi prima vice iuxta seriem bibliothecarum, ex quibus advehebantur,
ita ut essent Lambertini, Graecenses Soc. Jesu, Leobienses Soc. Jesu,
Carthusiani in Seitz & Altera vice in 36 classes distributi. Tertia vice,
cum utraque dispositio maioribus incommodis laboraret, distributi isthoc ordine A)
Fontes: I.
membranacei scrino 39. 40. 41. 42. 1) Biblia. Psalteria. Eorum partes-
versiones. 2) Patres 12
saeculorum. 3) Scriptores
ecclesiastici, quibus patris aut sancti nomen non est tributum. 4)Excerpta ex Patribus & scriptoribus ecclesiasticis. Homiliaria, Lectionaria, Sanctoralia, Marialia vic. dicta. 5) Historici et rerum
historicarum scriptores. 6) Conciliorum,
Canonum, Epistolarum Decretalium, Decretorium, Synodarum collectiones. 7) Corpora juris
canonici & civilis Romani. 8) Authores classici
in quovis genere literaturae, universim fontes, qui in membrana descripti &
optime notae sunt, absque ordine bibliographico juxta voluminis formam dispositi. II. Codices
membranacei selecti liturgici scrinio 38. Continet hic ordo: Brevaria,
Missalia, Propria, Ritualia, Agenda antiqua in membrana. III. Codices
membranacei selecti pro choro, cantu musico & tono grammatico scrinio 37.
Complectitur hic ordo Psalteriis notis musicis distincta, Hymnaria,
Antiphonaria, Responsoria, Capitula, Invitatoria notis musicis aut grammaticis
ad demonstrandam prosodiam monachis psallentibus opportunes descripta. Codices
chartacei isto ordine bibliographico distincti : B)
Interpretes : IV.Codices
chartacei pro choro & cantu musico scrinio 37 usque ad signum § V.
Codices de theoria rituum et liturgia tractantes chartacei scrinio 37 & 38. VI. Codices chartacei
theologici scrinio 34 35 in 4°, scrinio 37, 38 in parte superiori. VII. Codices chartacei
argm entiphysiologici & philologici scrinio 34. VIII. Peripatetici speciatim. IX. Codices historici
chartacei. 2) Anecdota quaedam. 3) Notitiae frg mentariae. 4) Monumenta. 5)
Manuscripta in linguts exoticis. 6) Autographa. 7) Observationes astronomicae
speculae Graecensis. 8) Catalogi divers. bibliothecarum museorum in scrinio 33. X.
Interpretes iuris pontifici, Romani, feudalis, Statutarii scrinio 43. Chartacei
codices in 8vo sunt omnes in suprema contignatione scrinii 33 b,
implent seriem unam et unicam. Der Gedanke, die Handschriften nach ihrer Herkunft zu
ordnen, beweist historisches Verantwortungsbewusstsein[66].
Die praktische Durchführung der Handschriftenkatalogisierung nach dem oben
erwähnten Schema können wir dank einiger erhalten gebliebener Zettel noch
verfolgen:[67] Markus
Sandmann legte von jedem Band einen graublauen Zettel im Format von 21 : 16 cm
an, der Titel, Kastensignatur, eine laufende Nummer, Beschreibstoff und Format
enthielt. Diese alphabetisch geordneten Zettel schrieb er in einen Bandkatalog
und ließ nach jedem Buchstaben des Alphabets einige Blätter für Nachträge frei.
Die Titelangaben waren sehr kurz, meist der Einbandaufschrift entnommen,
Sammelhandschriften blieben unberücksichtigt. Von 1810 bis 1829 sind Nachträge
hinzugeschrieben, rein archivalische Handschriften dem neugegründeten Landesarchiv
abgetreten und daher im Katalog ausgestrichen worden, denn jetzt war die Zeit
angebrochen, in der auch der Inhalt des aus dem Mittelalter überlieferten
Schriftgutes Beachtung fand. Jüstel hatte durch seine Tätigkeit als
Bibliotheksrevisor Einblicke gewonnen, die er an der richtigen Stelle zu
verwerten wusste: er stand mit Erzherzog Johann in Verbindung, der sich mit dem
Plan einer Museumsgründung befasste. Am 31. Januar 1810[68]
versuchte er, den Erzherzog auf die notwendige Schulung der Bevölkerung
aufmerksam zu machen; Material sei vorhanden, das ausgewertet werden könne. Am 1. 5. 1814 war Johann Krausler als Scriptor an der
Lycealbibliothek angestellt worden, wo er in ständigem Kontakt mit Jüstel
lebte, der allerdings schon 1815 nach Wien berufen wurde. Da Krausler in seiner
Freizeit den achtbändigen Katalogs[69]
der neugegründeten Joanneumsbibliothek schrieb, war er auch mit den dortigen
Lesern in Kontakt. Dabei fiel ihm als besonders eifriger Besucher der Lesestube
Josef Diemer auf; er nahm ihn 1835 in den Dienst der seit 1827 wieder zur
Universitätsbibliothek gewordenen früheren Lycealbibliothek. Krausler hatte
dort 1829 begonnen, einen neuen Zettelkatalog der Handschriften anzulegen, der
auch die zahlreichen Sammelcodices berücksichtigte; dabei stellte er Formate um
und ersetzte die durchgehenden Doppelsignaturen der Foliobände im Scrinium 33
durch fortlaufende höhere Signaturen.[70]
Diemer hatte an dieser Stelle Gelegenheit, seine Studien über die
althochdeutsche Sprache mit Hilfe des hier liegenden mittelalterlichen
Schriftgutes weiter zu betreiben; so kam er dazu, auch in den noch bestehenden
Klosterbibliotheken des Landes nach erhaltenen deutschen Handschriften zu
forschen, wobei ihm 1841 die Entdeckung der Vorauer Handschrift gelang.[71]
Im Zuge des geistigen Aufschwunges in der Steiermark hatte Albert Muchar
beispielweisend begonnen, die Schätze der größten Klosterbibliothek in Admont
durch auszugsweise Veröffentlichungen der interessierten Fachwelt zu erschließen.[72]
Bald nach Diemers Weggang nach Wien im Jahre 1842 begann in Graz Josef Zahn
nach dem Vorbild Muchars einen Auszug der wichtigsten Grazer Handschriften zu
publizieren[73] als
Historiker nahm er sich vor allem der Geschichtsquellen an - während Anton
Schönbach die germanistischen Codices in den Fachzeitschriften nach und nach
veröffentlichte[74]. Die Umstellung der ganzen Bibliothek auf den Numerus currens erfasste 1877 auch die Handschriften. Die damals vorhandenen 1779 Bände wurden aus dem Obergeschoss in den großen Lesesaal transportiert und erhielten dort je nach ihrer Größe die Signaturen 1-1664[75]. Zum alten, seit 1829 nicht mehr weitergeführten Bandkatalog und zu Krauslers Zettelkatalog entstand ein Lokalrepertorium mit einer Signaturen-Konkordanz, das noch heute in Verwendung steht. Auch ein knapper alphabetischer Bandkatalog, der nur die neuen Signaturen enthält, wurde angelegt. Die in den alten Kastensignaturen noch halbwegs gewahrte Einteilung nach Inhalt und Beschreibstoff ging bei der mechanischen Aufstellung nach der Größe verloren. Der Zuwachs seit 1878 kann auch darauf keine Rücksicht mehr nehmen, da jetzt nur mehr die chronologische Aneinanderreihung nach dem Eintreffen in der Bibliothek ausschlaggebend ist. 1889 trat Ferdinand Eichler in den Dienst der Universitätsbibliothek; 1895 erfolgte die Übersiedlung der ganzen Anstalt ins neue Gebäude. Seit damals werden genaue Benützer- und Entlehner- Protokolle geführt, zuerst in Eichlers zierlicher Handschrift. Er erkannte die Notwendigkeit, die Handschriften einer Bibliothek als Einheit zu sehen; da er selbst diese Arbeit nicht mehr leisten konnte, gelang es ihm, den 1921 in den Bibliotheksdienst eingetretenen Anton Kern für diese Aufgabe zu gewinnen, deren endgültige Fertigstellung zu erleben diesem leider nicht mehr gegönnt war. Während seiner Arbeit an der Beschreibung der Handschriften wurden nochmals Stücke, die ihrem Inhalt nach besser ins Landesarchiv passten, an dieses abgetreten, u. zw. Hs. 94, 154, 165, 367,405, 466, 500, 516, 518 und 534, dafür kam die Predigthandschrift 917 aus dem Landesarchiv in die Universitätsbibliothek[76]. Die Lücken in der Signaturenfolge, die durch diese Tauschaktion entstanden, wurden durch Neuerwerbungen oder Umsignierungen gefüllt: so rückte die Sign. 1677 auf 534 vor, 1685 auf 518, 1696 auf 500, 1697 auf 403, 1702 auf 516, 1704 auf 165; 1710 wurde zuerst auf 466, dann auf 94 vorgezogen, während eine Neuerwerbung aus einem Antiquariat die Sign. 466 erhielt. Zwischen 1933 und 1939 stand das heutige Fragment 1703/63 auf Sign. 94. Die leere Stelle der weggegebenen Sign. 367 erhielt ein Werk aus der medizinisch-chirurgischen Lehranstalt, die Dienstvorschrift Jüstels kam auf die Sign. 154. Um Irrtümer zu vermeiden, sind seither die Signaturen 1677, 1685, 1696, 1697, 1702 und 1704 unbesetzt; 2015 war für einen später nicht eingelangten Nachlass reserviert worden. Nach dem Druck des ersten Katalogbandes traten noch zwei Änderungen ein: Sign. 94 ging an die Sächsische Landesbibliothek nach Dresden im Tausch gegen das Styriacum der heutigen Sign. 1748, während für die Hs. 164 aus dem Steiermärkischen Landesarchiv der von P. Benno Roth dort entdeckte Seckauer Bibliothekskatalog, die heutige Hs. 2039, an die Universitätsbibliothek kam. DER REGISTERBAND UND SEINE BENÜTZUNG. Wie es bei der Mannigfaltigkeit der vorhandenen Texte,
die - abgesehen von den Papyri - aus einem Zeitraum von über tausend Jahren
stammen, keine festen Regeln für ihre Beschreibung geben kann, so sind auch die
Möglichkeiten eines Registers zu einem beschreibenden Verzeichnis verschieden;
jede Art hat Vor- und Nachteile. Dazu kommt in unserem speziellen Fall noch der
durch Kerns vorzeitigen Tod verursachte Bearbeiterwechsel. Kerns Vorstellungen
von seinem Register waren klar: ein Initien-Verzeichnis und ein Kreuzkatalog
sollten seine beiden Textbände dem Benützer nach allen Seiten erschließen. Der
zeitliche Abstand zwischen dem Erscheinen der drei Bände blieb aber von der
Forschung nicht ungenutzt; Einzeluntersuchungen und Arbeiten über verschiedene
Handschriftengruppen sind inzwischen erschienen, die jedem Benützer des Kataloges
zugänglich sein sollen. Die beiden Abgaben (Hs. 94 und 164), Neuerwerbungen und
im 2. Katalogband ausgelassene Signaturen waren zu ergänzen. Wie soll das alles
im Register erkennbar sein? Mohlbergs Register zu seinem Züricher Katalog erwies sich
als Vorbild: es hatte schon Kern dazu bewogen, von seinem ursprünglichen
Vorhaben, nur mit lateinischen Schlag- und Stichwörtern das Register
aufzubauen, abzugehen und auch deutsche Stichwörter, vor allem für die vielen
Sammelverweise, zu verwenden. Mohlberg wählte für seine Ergänzungen und
Berichtigungen im Register zur Kennzeichnung einen der Signatur vorgesetzten
Stern *. Da im Grazer Register leider auch Verluste anzuzeigen waren, ergab es
sich, in Analogie zum Plus der Ergänzungen als Minus der Kriegsverluste und
Abgaben durch Tausch, einen der Signatur nachgesetzten Stern anzubringen; das
war bei eintextigen Handschriften keine Schwierigkeit und eindeutig. Wie sollte
man aber mehrtextige verschollene Manuskripte gleich im Register erkennen? Denn
ein Benützer, der sich näher mit einer bestimmten Handschrift beschäftigen
will, muss davor bewahrt werden, bei jedem Text im Stichwort "Verschollene
Handschriften" nachsehen zu müssen, ob er den entsprechenden Text wirklich
noch einsehen kann. Da es sich inzwischen als wünschenswert herausgestellt hat,
die Textanfänge mit der Blattzahl, auf der diese stehen, anzugeben und nicht,
wie Kern es beabsichtigt hatte, mit dem Abschnitt des Katalogtextes, in dem sie
beschrieben sind, so ergab sich für die durch die Kriegsfolgen unerreichbar
gewordenen mehrtextigen Handschriften der Ausweg, ihr einstiges Vorhandensein
durch die Angabe des Beschreibungsteiles im Katalog, durch ein Komma von der
Signatur getrennt, anzuzeigen[77].
Ein Blick auf S. 226 wird diese Angaben verständlich machen: das Initium "Simile
factum est . . . Notandum quod secundum . . ." bringt zwei Belege: 578
273 und * 747 333v. Die erste Stelle steht im Katalogtext des 1. Bandes auf
S. 338 zitiert; durch die Arbeit Madre's, die auch in den Nachträgen auf S. 61
zu dieser Stelle angezeigt ist, hat sich herausgestellt, dass sich das gleiche
Initium auch in der Handschrift 747 auf Bl. 333v findet, aber nicht am Anfang,
sondern mitten im Text; der vorgesetzte * ist also ein, im 2. Band nicht erkennbarer,
weiterer Beleg für diesen Text. In den beiden folgenden Initien: "Simili
poena servus . . . Filius dei condolens" sind drei Belegstellen
angeführt: 316 68; 566,3 und 675 1v; die erste Belegstelle ist auf S. 181 im Wortlaut
zitiert, die Handschrift ist jederzeit überprüfbar; die zweite Belegstelle in
Hs. 566 steht auch auf S. 329 im Wortlaut, aber bei den Ergänzungen und
Nachträgen ist zu dieser Signatur auf S. 60 der Vermerk "Ist seit 1945
verschollen" zu lesen (sie ist auch auf S. 467 unter den verschollenen
Handschriften zu finden). Der Benützer wird also durch die hier gewählte Form:
566,3 an Stelle von 566 201 darauf aufmerksam gemacht, dass er diese Handschrift in
unserer Sammlung nicht mehr benützen kann. Ein ähnliches Beispiel steht gleich
beim nächsten Initium: "Simonia est . . ." wo die zuerst
zitierte Hs. 821 nicht mehr greifbar ist, während die zweite Belegstelle, Hs.
1294, mit diesem Text in ihrem 14. Abschnitt, auf Bl. 143 beginnend, jederzeit
eingesehen, gefilmt oder xerokopiert werden kann. Am Ende der zweiten Spalte
von S. 226 ist beim Initium "Sollemnitas hodierna non per angelum . .
." als Belegstelle nur die Handschrift 1503* zu finden; das heißt, der
volle Wortlaut dieser Predigt ist für uns unerreichbar geworden; da die ganze
Handschrift nur Predigten enthalten hatte, die nicht in Abschnitte gegliedert
waren, ist der nachgesetzte Stern die einzige Möglichkeit, den Benützer schnell
vor Enttäuschungen zu bewahren, falls er sich mit diesem Text beschäftigen
will. Die Blattzahlen in Kleindruck geben die Rekto-Seite an, nur die Verso-Seite ist durch Beifügung eines v in Kleindruck bezeichnet. Die Buchstaben VD, RD und VRD wurden zur Kennzeichnung der Fragmente, welche an die Innenseite der Einbanddeckel geklebt sind verwendet: VD für Vorderdeckel, RD für Rückendeckel und VRD für die Verklebung beider. Sinngemäß ist die Abkürzung VD beim Stichwort Einbände mit "Außenseite des Vorderdeckels" aufzulösen. Die römischen Zahlen nach einer Handschriftensignatur geben die (meist pergamentenen) Vorsatzblätter an. Als zeitliche Grenze für eingehendere und mehr summarische Beschreibung und Erwähnung im Register ist das Jahr 1600 gewählt. Der Registerband enthält daher, um seine Aufgabe als
Schlüssel zum Katalog zu erfüllen, nach dem Abkürzungsverzeichnis
für häufig zitierte Literatur den Abschnitt Ergänzungen und Nachträge.
Er enthält nach Signaturen geordnet 1) alle
erreichbare Literatur, die seit dem Druck der beiden Bände, also 1942 und 1956,
erschienen ist; auch einige ältere, früher übersehene Literaturangaben sind
dabei. Aus technischen Gründen konnten einige der letzten Arbeiten erst bei der
entsprechenden Registerstelle, auf die sie Bezug hatten, untergebracht werden, 2) alle
Besitzveränderungen durch Tausch, Kriegsverlust und Neuerwerbungen, 3) alle im
zweiten Katalogband ausgelassenen Beschreibungen[78]
- es sind dies mit den Neuerwerbungen 206 - und in 24 Fällen der Hinweis auf
die Kurzbeschreibung Kerns, die er, vor allem bei Vorlesungsnachschriften, bei
einer anderen Signatur erwähnt hat, 4) die ausdrückliche Erwähnung der unbesetzten
Signaturen. Nicht erwähnt sind die Änderungen am Zustand der
Einbände, die sich in der Zwischenzeit durch die Restaurierung von bisher 475
Handschriften ergeben haben. Das Initienverzeichnis war insofern durch den Katalogtext festgelegt, als Kern von allen bei Vatasso verzeichneten Initien nur dann einen Text zitiert, wenn er von dem bei Migne gedruckten wesentlich abweicht. Es fehlen daher, mit dieser Ausnahme, alle in Vatasso zu findenden Initien, ebenso die der wenigen Klassikertexte und die in den MG leicht erreichbaren historischen Textanfänge. Versinitien sind durch Kursivdruck hervorgehoben mit
Ausnahme von zwei Gruppen von Versen: solche, die nicht mehr als vier Zeilen
haben, sind im Register auf S. 468 f. unter dem Stichwort Vers- Initien
zusammengestellt, während die Schreiberverse in vollem Wortlaut auf S. 434-437
beisammenstehen. Die heute vielfach geübte und auch wünschenswerte
Aufnahme sämtlicher Predigt- Initien in dieses Verzeichnis musste wegen der
großen Zahl solcher Texte unterbleiben[79]. Das Personen-, Sach-, Titel- und Ortsregister
zeigt seine Aufgabe schon durch seine Überschrift: es soll dem Benützer alle
Fragen, die in dieser Richtung an den Katalog gestellt werden, beantworten. Die Personennamen sind, um sie etwas hervorzuheben,
kursiv gedruckt, wenn irgend möglich durch Beruf und Sterbejahr näher
charakterisiert; war das Todesjahr nicht ausfindig zu machen, ist das Jahrhundert,
in welchem der Genannte lebte, sofern es zu eruieren war, dazugesetzt. Manchmal
beschränkt sich die Datierung auf eine im nachfolgenden Text - besonders bei
den Urkunden vorkommende Jahreszahl. Bis 1500 stehen alle Personennamen unter
ihrem meist lateinischen - Vornamen, Bischöfe und Äbte sogar bis ins 18. Jh.;
innerhalb eines und desselben Vornamens sind die einzelnen Träger dieser Namen
nach ihren Zunamen, Bischöfe und Äbte nach ihrem Bistum bzw. Kloster
eingereiht. Von schon früher vorkommenden Zunamen wird jeweils auf den Vornamen
verwiesen. Weltliche Personen sind unter ihrem deutschen Vornamen
eingereiht; kommen sie im Katalogtext lateinisch vor, so wird auf die deutsche
Namensform verwiesen. Das hat zur Folge, dass Kaiser Heinrich Il. zweimal
vorkommt: als Heinrich II. in weltlichen Belangen, als Heiliger unter Henricus
(s.) wo es sich um liturgische Stichwörter oder Angaben handelt. Den Erfordernissen eines Kreuzregisters entsprechend, sind bei manchen Autorennamen, wie z. B. Aristoteles, Petrus Lombardus u. a., nicht nur die Arbeiten des genannten Autors zu finden, sondern auch alle Arbeiten über ihn, wie Kommentare zu deren Schriften oder Lebensbeschreibungen und, falls sie irgendwo abgebildet sind, sei es in einer Miniatur oder einem Holzschnitt, auch diese Stellen am Schluss des Stichwortes. Einem Autor nur zugeschriebene Werke, im Text als Ps.-. . . angegeben, sind in einer eigenen Gruppe jedem dieser Autoren beigefügt. Alle Verfasser, denen diese Ehre widerfuhr, sind im Stichwort Pseudo- auf S. 419 zusammengestellt. War der wirkliche Autor einer solchen nur zugeschriebenen 'Textes ausfindig zu machen, so steht dessen Name in runder Klammer mit einem (= . . .) hinter der Signatur und der Blattangabe. Die Sachbegriffe, darunter viele Sammelschlagwörter, sind meist in deutscher Sprache gehalten; die Unterteilung war nicht immer nach demselben Schema möglich, einmal erwies sich die alphabetische Unterteilung, ein andermal die Ordnung nach dem Kirchenjahr günstiger, in anderen Fällen blieb nur die Reihung nach den Signaturen mit nachfolgender Inhaltsangabe sinnvoll. Bei den Titelschlagwörtern musste m. E. bisweilen von der sonst üblichen Reihung nach der natürlichen Signaturenfolge abgegangen werden; hier trat dann das Komma an Stelle des sonst üblichen Strichpunktes als Trennungszeichen auf. Ein Blick auf S. 304, Expositio(nes), Abtlg. 3 wird dies einsichtig machen: text- und titelgleiche Handschriften sind, nur durch das Komma getrennt, zusammengestellt und sprengen daher die normale Aufzählung nach den fortlaufenden Signaturen. Nach dem ersten Strichpunkt beginnt, von Hs. 243, der zuallererst zu nennenden Signatur aus gesehen, die Sign. 253, zu welcher wieder zwei weitere, vollkommen gleichlautende Texte in Hs. 842 und 924 gehören; nach dem zweiten Strichpunkt ist die Hs. 303 genannt, die auf dem Bl. 388 zwei Texte mit der Überschrift "Expositio orationis dominicae" aufzuweisen hat; der erste ist von Thomas v. Aquin, weshalb sein Name auch in runder Klammer der Fundstelle nachgesetzt ist, und ein anonymer Text. Es ist also überall dort, wo die Signaturen nicht der natürlichen Reihenfolge entsprechen, besonders auf die Interpunktion zu achten; vor allem kommen hier die Titelschlagwörter Sermo(nes) und Summa in Frage, wo nur durch die Interpunktion und bisweilen durch ein eingeschobenes "und" alle Möglichkeiten einer Aussage ausgeschöpft werden konnten. Die bei Kern in den seltensten Fällen erwähnte Art der
Schrift, ist nach den Forderungen des "Comité International de
Paléographie" in die Schlagwörter "Schrift(-art)"[80]
und die ausdrücklich lokalisierten Handschriften auch unter
"Schrift(-Heimat)" zusammengestellt. Das Schriftalter ist, der
Übersichtlichkeit halber, auf die Schlagwörter "Jahre" bzw.
"Jahrhundert, in welchem einzelne Handschriften(teile) geschrieben
wurden" verteilt. Das Stichwort "Buchmalerei" ist vor Jahren vom
Wiener Kunsthistoriker Gerhard Schmidt angeregt worden und erfasst nach den Vorschlägen
Köllners[81] alle
Handschriften mit irgendeiner Art von Buchschmuck[82].
Die Zettel für "Ikonographie", die Zusammenstellung der Bildinhalte,
hatte hoch Kern zu schreiben und zu ordnen begonnen. Während mir für diesen
Bildkatalog die Einteilung nach der Zeit, in welcher die Bilder entstanden
sind, wichtig schien, sind die Bildinhalte an den Stellen, zu denen sie
gehören, z. B. beim Apostel Paulus, rein nach der Signaturenfolge aneinandergereiht. Analog zur Buchmalerei sind unter "Einbände" alle in dieser Hinsicht bemerkenswerten Handschriften zu finden. Den Abschluss des Bandes bildet die Signaturen-Konkordanz;
sie ist für alle Benützer von Literatur, die vor 1877, dem Zeitpunkt der
Umstellung auf den Numerus currens, erschienen ist, wichtig. Es sind, wie aus dieser Einleitung hervorgeht, noch viele
Fragen offen und zahlreiche Einzeluntersuchungen erforderlich, bis wir uns über
heute noch fragliche Zuweisungen an einzelne Bibliotheken klar werden können.
Ganz wird dies ja nie gelingen, manches wird sich mittels noch erhofften Funde
in Archiven klären lassen. Nach diesem Handschriftenkatalog wäre natürlich eine
eingehende Untersuchung der Inkunabeln fällig, auch die Fragmente darin und die
als Einbände von Frühdrucken verwendeten beschriebenen Pergamentblätter gehören
systematisch untersucht; daraus ließen sich ganz sicher manche Zuweisung an bestimmte
Bibliotheken gewinnen. Damit käme man vielleicht der von Eichler geforderten
Untersuchung nach der Frühzeit der Universitätsbibliothek wieder etwas näher. Zum Schluss noch einige Worte des Dankes, vor allem an
den verstorbenen Bearbeiter des Kataloges, Anton Kern, der mich für sein
Arbeitsgebiet zu interessieren verstand und mir dadurch ermöglichte, seine
unvollendet gebliebene Arbeit zu einem Abschluss zu bringen. Der Direktor der
Handschriften-Abteilung an der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien,
Hofrat DDr. Franz Unterkircher, half durch manchen fachlichen Rat und
ermutigenden Zuspruch, während der jetzige Direktor unserer
Universitätsbibliothek, Hofrat Dr. Erhard Glas, nach den Schwierigkeiten bei
der Drucklegung des zweiten Bandes[83],
nun auch die administrativen und finanziellen Belange dieses Registerbandes mit
Energie und Geduld meisterte. Alle, die wissen, was es heißt, Korrekturen zu
lesen, werden verstehen, dass ich auch dem Helfer bei dieser Aufgabe, Herrn Dr.
Alois Hierzer, gebührend danke. Maria Mairold [1] Vgl. M. Mairold, Der Grazer
Handschriftenkatalog (Biblos 11), Wien 1962, S. 143-150. [2] Aus einer österreichischen Bibliothek.
Ein Festgruß d. Sektion f. Bibliothekswesen bei der 50. Versammlung deutscher
Philologen und Schulrnänner in Graz, Graz im Selbstverlag d. Verf. 1909, S. 12
f. [3] Ein Missale dieser Kirche aus dem 15.
Jahrhundert verzeichnet Kos 140. [4] F. Grassauer, Handbuch der
Universitäts- und Studienbibliotheken, Wien 1899, S. 33 u. 171-174. [5] Ibid. S. 176. [6] Ausführlicher bei M. Mairold,
Bibliothekarische Prüfungsfragen im Jahre 1798 (Biblos 8), Wien 1959, S.
146-150. [7] Steiermärk. Landesarchiv v. 22. X.
1795, Z]. 1962113692, Z]. 90321796, Fasz. 82, Gubernialakten 1782-1789,
1786-1809, u. unter den Akten der Univ. Bibl. [8] Als Musterbeispiel sei das Legat Josef
Anton Hohenrains (t 1829) genannt: er hatte 1762 einen Katalog seines damaligen
Bücherbesitzes schreiben lassen, der rund 1500 Werke in etwa 2000 Bänden,
darunter 4 Handschriften, verzeichnet. Die heutigen Sign. 431 u. 460 konnten
auf Grund dieses Kataloges ihm zugewiesen werden. Außer den in diesem Katalog,
heute Hs. 371, verzeichneten Werken stehen noch zahlreiche Bücher aus dem
Besitz Hohenrains, erkenntlich an den Einbänden und den Exlibris, in unseren
Regalen; dagegen suchen wir manches im Katalog verzeichnete Buch heute
vergeblich. Es ist wohl anzunehmen, dass Doppelstücke, wie aus den Klosterbibliotheken,
so auch in diesem Falle, zu Tauschzwecken verwendet worden sind. [9] Die Signaturen sind auf S. 467 unter
"Verschollene Handschriften" zusammengestellt; über ihre
Kennzeichnung im Register s. S. XXVII f. [10] Eine Ausnahme bilden nur mehr Leihgaben
für Ausstellungen, die unter einem bestimmten Thema Kulturgut des Mittelalters
einem weiten Kreis von Besuchern zugänglich machen. Unsere Handschriften waren
vertreten 1950 in Genf in der Ausstellung L'Art du moyen âge en Autriche, bei
den Kremser Ausstellungen 1959 Gotik in Niederösterreich, 1964 Romanik in
Österreich, 1967 Gotik in Österreich und bei der steirischen Ausstellung 1964
Graz als Residenz : Innerösterreich 1564-1619. [11] Vgl. K. Uhlirz, Ein Bruchstück des Diariums der Grazer Jesuiten, BKstGqu 36
- Nf 4, 1908, S. 62. Die
sogenannte Stratterbibel, heute Hs. 48, entging als Dauerschaustück, das
ständig am großen Tisch des Bibliothekssaales lag, den frühen Signierungen;
erst bei der Einführung des numerus currens, 1877, verlor sie ihre
Sonderstellung. [12] Drei Gairacher Handschriften, Kos
44-46, sind erst 1782, wahrscheinlich über die Kartause Freudenthal, in die
Lycealbibliothek nach 1,aibach gelangt. [13] Nach F. M. Mayer, Zur Geschichte der
Karthause Seiz, BKstGqu 20,1884, S. 127, gab es sowohl ein Inventarium aller
Bücher, so auff der fürstl. Durchlaucht Erzh.. Karls zu Österreich etc. Decret
d. 15. April 1573 durch Herrn Georgen Süchl, Pfarrer Zu Mahrburg und Ottolin
Grazuola von dem lobwürdigen Closter Seiz genomben und denen Jesuiter auff
Grätz überschickt und gelihen werden als auch eine Liste der von den
Jesuitern zu Grätz dem Gottshauß Seiz restituitirten Bücher. Genauere Angaben
sind daher erst möglich, wenn diese beiden Verzeichnisse zur Verfügung stehen
werden; sie sind derzeit nicht zu finden. [14] Kärnten gehörte mit Krain von 1564 bis
1619 zum Herrschaftsbereich Innerösterreich, der von Graz aus regiert und auch
noch darüber hinaus verwaltet wurde [15] Die beiden Inventare sind
veröffentlicht von Robert Eisler, Die illuminierten Handschriften in Kärnten (Beschreibendes
Verzeichnis der illuminierten Handschriften Österreichs. 3), Leipzig 1907, S.
2-6. Der Gesichtspunkt der Auswahl ist nicht klar zu ersehen; der Wert der
Millstätter Genesis wurde nicht erkannt und so blieb diese Handschrift dem
Lande Kärnten erhalten. [16] Kaiser Friedrich III. hatte den
Tiefstand des Benediktinerklosters Millstatt dazu benützt, es im Jahre 1469 dem
Orden der St. Georgs-Ritter als materielle Basis für seine Aufgabe der
Türkenbekämpfung zu übergeben. Der erste Großmeister, Johann Siebenhirter,
selbst ein großer Bücherfreund, zeigte durch eine Reihe von bedeutenden
Erwerbungen, dass er die übernommene Bibliothek nicht als totes Kapital
betrachtete, sondern sie auch mit Hilfe der neuen Kunst des Buchdruckes zu
mehren verstand. Der Tod des dritten Großmeisters im Jahre 1541 bedeutet
gleichzeitig das Ende des Ordens, der seine Aufgabe nicht erfüllt hatte. Der
Besitz blieb verwaist, wurde nach F. Eichler, Aus der Bibliothek der
Georgsritter in Millstatt (Buch und Schrift, Jahrbuch NF 516), Leipzig 1943, S.
31, zeitweise von Bernhard, ab 1563 von Georg Khevenhüller verwaltet, bis er
die neue Aufgabe, die Grazer Schule materiell zu erhalten, zugewiesen bekam.
Die endgültige Übereignungsurkunde besitzen wir in Hs. 165 im Original. [17] H. Menhardt, Die Millstätter
Handschriften, ZfB 40, 1923, S. 129-142, hat in vorbildlicher Kürze und Akribie
auch die Grazer Handschriften aus Millstatt in seine Untersuchung einbezogen.
-Ähnliche Arbeiten über mittelalterliche Signierungsmerkmale stehen für die
steirischen Klosterbibliotheken noch auf der Wunschliste. [18] Ihre Veröffentlichung ist ein
Desideratum ersten Ranges. Vorarbeiten für eine Gruppe daraus leistete J.
Andritsch, Studenten und Lehrer aus Ungarn und Siebenbürgen an der Universität
Graz (1586-1782). Ein personengeschichtlicher Beitrag z. Geschichte der
Karls-Franzens-Universität in der Jesuitenperiode (Forschungen z. geschichtlichen
Landeskunde der Steiermark 22), Graz 1965; hier sind auch Hs. 486 und die
Schülerkataloge der Hs. 1694 ausgewertet. [19] Bei den Studenten, die sich als Musiker
oder Sänger ihren Aufenthalt im Internat verdienten, ist des öfteren der
Vermerk clam effugit nachgetragen. [20] Die älteste bisher festgestellte
Erwerbseintragung in einem Druck datiert vom Januar 1574. [21] In den Seitzer Akten des Stmk.
Landesarchivs, Sign. R. u. K. 204, B VIII, befindet sich ein Brief des Vicarius
in Gaming Leopold Wydeman vom 3. Juni 1722 an einen Ordensbruder in Seitz,
worin Auskunft über fünf Seitzer Handschriften gebeten wird; die Konrad von
Hainburg betreffende Stelle lautet: . . . optarem habere copiam literarum, quae
ad Conradum sunt directae; item optarem scire, an Matutinale B. Virginis adhuc
exstet, et an in eodem Matutinali sint Hymni nonnulli de B. Virgine, et si
sint, quales sint, vel an existent Hymni isti in alio codice, qui a Matutinali
separatus est. Da wir die Antwort aus Seitz nicht kennen, muß die Frage nach
dem Zeitpunkt des Verlustes dieses Matutinales offen bleiben. Die Handschrift
mit den Marienhymnen ist wohl die heutige Sign. 1588. In den
Annales ordinis Cartusiensis, ed. C. Le Coulteulx, vol. 3., Montreuil 1888, S.
266, ist uns zum Jahre 1200 eine literarische Nachricht über eine Seitzer
Handschrift, die es in unseren Beständen nicht mehr gibt, überliefert: Sermones
magistri Odonis, prioris in Gyrio, de tempore ei sanctis in communi. [22] Vgl. Die
Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485-1487, aus dem Lat. übertragen von R.
Egger, Klagenfurt 1947, S. 177, wo es heißt, dass die Seitzer Bibliothek über
2000 Bände zum größten Teil auf Pergament geschrieben zähle. Für diesen Hinweis
habe ich Herrn Prof. Saria zu danken. [23] Die Härte der Kämpfe geht aus einer
Eintragung in Hs. 640, Bl. 64v, hervor, wo zum 3. März zu lesen ist: Andreas Prior huius domus 1531, mit dem
Nachtrag von einer späteren Hand: a
Tartaris occisus est cum aliquot conventualibus. [24] Den in MBKÖ S. 106 genannten Signaturen
der Österreichischen Nationalbibliothek 504, 755 und 1069 ist noch Sign. 4191
hinzuzufügen; vgl. H. Menhardt, Verzeichnis der altdeutschen Handschriften der
Österreichischen Nationalbibliothek Bd 2 (Deutsche Akademie der Wissenschaften
zu Berlin, Veröffentlichungen des Institutes für deutsche Sprache und Literatur
13), Berlin 1961, S. 1013. [25] heute Ser. nova 2583 der ÖNB. [26] siehe Anm. 13. [27] Vergleichszahlen bieten W. Milkowicz,
Die Klöster in Krain, AföG 74, 1889, S. 455: die Krainer Kartause Freudenthal
besaß bei der Aufhebung 1782 3428 Bücher zuzüglich 543 aus der Prälatur. K.
Stefan, Geschichte u. Verwaltung der Studienbibliothek in Laibach (Mitteilungen
des Musealvereins für Krain 20), 1907, S. 7 und 24 gibt als Zuwachs. der
Studienbibliothek aus der Kartause Freudenthal nur 769 Werke in 1153 Bänden an.
Die Differenz wird auf Doppelstücke und im Sinne der Zeit
"Unbrauchbares" zurückzuführen sein. Seit kurzem haben wir auch
Zahlen für die Kartause Südtirols durch F. Huter, Die alte Kartause
Allerengelberg in Schnals (Der obere Weg, 1965-67 hrsg. vom Südtiroler
Kulturinstitut) 1967, S. 484 ff.: Nach dem Ausscheiden von Unbrauchbarem kamen
325 Bände nach Wien, 487 nach Innsbruck; dort sind auch 195 Handschriften aus
dem 12.17. Jh. erhalten geblieben. [28] Die Bücher haben am oberen Rückenfeld
eine Zahl, am unteren einen (Doppel-) Buchstaben; bisher konnten im Besitz der
UB Graz erst 118 Bände festgestellt werden. Eine einzige Handschrift, die
heutige Sign. 777, ist nach Art der Bücher signiert: oben 39, unten F (oder
E?). [29] Das Verzeichnis des Stmk.
Landesarchivs, ZI. R. K. 204 A 1-3, 1782, mit dem Titel Cathalogus der von dem aufgelösten Kartäußerstift Zu Seitz an die
hierortig K. K. Bibliothek übergebenen Bücher, Nr. 4 ist vom Medizin- u.
Pharmazie-Historiker Franz Minarik entdeckt worden, als er Nachrichten über die
Seitzer Glashütte suchte. [30] Die erste Hand schrieb die Buchstaben
A-D, die zweite E-0, während P-Z von Dengg geschrieben wurden. [31] Die Vorarbeiten Prof. Jellouscheks in
Wien hat jetzt das Institut de Recherches des Textes in Paris zur Veröffentlichung
übernommen. [32] In den Hs. 225, 314, 701 und 736. Der
Sinn der von Kern angegebenen, am jeweiligen Textende der Seckauer
Handschriften stehenden Nummern ist nicht zu erkennen; so kommt Nr. 25 in den
Hss 750 und 277 vor, aber auch noch in zwei Büchern aus Seckau. [33] Der Katalog gibt arabische Ziffern, die
Signaturenschildchen tragen römische. [34] Die entsprechenden Zahlen für die
Bücher dieses Kataloges lauten: 191 ganz oder teilweise erhaltene Signaturen
auf 737 bisher festgestellten Seckauer Büchern. Eine große Gruppe von Büchern,
Besitz der jeweiligen Pröpste von Seckau, ist im Katalog nicht verzeichnet. Die
zahlreichen, einheitlich in weißes Leder mit Blindpressungen und dem schwarzen
Wappen - Supralibros "Franciscus Sigismundus praepos. Seccoviensis
1701" versehenen Bücher verdienen eine eigene Untersuchung ebenso wie die
dunklen Lederbände mit goldgepresstem Wappen-Supra-Exlibris des Propstes
Antonius de Potiis, unter dem vermutlich der Katalog geschrieben bzw. angelegt
worden ist. [35] Bei den allgemein gehaltenen
Bezeichnungen Breviarium antiquum u. ä.
ist eine Identifizierung natürlieb nur möglich, wenn die Signatur erhalten ist;
übrigens deckt sich die Zahl der aufgezählten Liturgica ziemlich mit der die
erhalten geblieben sind. [36] Die lichten Einbände des 15. Jh.s mit
einfachen Blindstempeln bilden eine Gruppe, die im 17. Jh. neu in dunkles Leder
gebundenen Codices eine andere. Die zahlreichen Predigthandschriften des 15.
Jh.s mit ihren schwarzen Pergamenteinbänden gehören ebenso inhaltlich,
äußerlich und nach Signaturen zusammen wie die in braunes oder rotes Leder
gebundenen. [37] Bei Sammelhandschriften sind diese
Inhaltsangaben sehr genau und ausführlich. Leider sind von vielen solcher
Schildchen nur mehr die Spuren erhalten. Eine Signierung durch Buchstaben oder
Zahlen konnte auf den Seckauer Einbänden nicht festgestellt werden. [38] Ob etwas und wie viel im 13. Jh. nach
Stainz zur Ausstattung dieses Stiftes weggegeben worden ist, kann bei der
schlechten Überlieferung gerade dieser Bibliothek nicht mehr ermessen werden. [39] Wichtige Hilfe für eine künftige
Untersuchung der Seckauer Schreibschule bietet die Arbeit von Pius Fank, Die
Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schreiber, Graz, Akadem. Druck-u.
Verlagsanstalt 1967, besonders auf den S. 28-31 und 39 ff. Die Ergebnisse
dieser Arbeit konnten leider nicht mehr ins Register eingearbeitet werden. [40] Zu S. 92 MBKÖ, Z. 28129, ist
nachzutragen, dass glosarius super novum
et vetus testamentum die jetzige Hs. 345 mit der Neuberger Nr. 148 ist. Eine zusammenfassende
Bearbeitung der Seckauer Buchmalerei der Gotik steht noch immer auf der
Wunschliste. Das letzte große Werk dieser Zeit, Hs. 17, ist nicht nur durch
seine baugeschichtlich interessante Miniatur auf Bl. 217v besonders wertvoll,
sondern bietet in ihrer Miniatur auf Bl. 16v auch eine interessante Parallele
zu Abb. 8, von O. Pächt, The Limbourgs and Pisanello (Essais en l'honneur de
Jean Porcher), Paris 1963, S. 116. [41] Codex Albensis. Ein Antiphonar aus dem
12. Jahrhundert (Graz, Universitätsbibliothek Ms Nr. 211) von Z. Fálvy u. L.
Mezey, Graz, Akadem. Druck- u. Verlagsanstalt 1963. [42] Diese Signaturen haben große
Ähnlichkeit mit denen der Millstätter Benediktinerbibliothek; dies verlockt zur
Annahme, Hs. 203, von Kern als Pettauer Besitz bezeichnet, sei das bei Eisler
(s. Anm. 15) auf S. 3 als Nr. 67 genannte Liber
Albuberis Razis filii in membrana. Der Pettauer Katalog verzeichnet diese
Handschrift nicht. [43] Vgl. G. Laurin, Die gotischen
Blindstempeleinbände des ehemaligen Dominikanerklosters Pettau in der UB Graz
(Gutenberg-Jahrbuch 40), 1965 S. 353-361. [44] Der Titel des Kataloges lautet: Catalogus Librorum Bibliothecae Convenius
Pettoviensis Ordinis F. F. Praedicatorum. Die Rückseite des Titelblattes
wiederholt diese Angaben mit dem Zusatz XVIII.
Jh. Schuber XXXVI, Heft 81. Die Eintragungen füllen 60 Seiten. Als
spätestes Erscheinungsjahr eines Buches ist 1782 zu finden. [45] Dies ist wohl eine Bestätigung des
Revisionsberichtes, in welchem es heißt, daß die Pettauer Bibliothek schon
stark gesichtet übernommen worden sei. [46] Aus Seckau kam die heutige Sign. 345
dorthin; vgl. Anm. 39. [47] So überliefert uns Hs. 1093 die Rede
beim Begräbnis des Nikolaus von Dinkelsbühl, gehalten von Petrus de Pirchenwart,
vgl. K. Binder, Eine Anthologie aus den Schriften mittelalterlicher Wiener
Theologen (Dienst an der Lehre, Studien z. heutigen Philos. u. Theologie.
Wiener Beiträge Z. Theologie 10), 1965, S. 244-252. [48] G. Laurin, Die Blindstempelbände des
ehemaligen Zisterzienserstiftes Neuberg in Obersteiermark (Festschrift Ernst
Kyriss), Stuttgart 1961, S. 123-147. [49] De arte bersandi und Neptalim cervus
emissus. Hrsg. u. übersetzt von K. Lindner (Quellen u. Studien z. Geschichte
der Jagd 1), Berlin 1966, S. 44-93. [50] Da es später noch einige Ordnungsversuche
gab - es sind insgesamt 8 verschiedene Signierungsarten bis zum 17. Jh. zu
unterscheiden - muss den maßgebenden Einteilungsprinzipien erst in einer
genauen Detailuntersuchung nachgegangen werden [51] Die Signaturenreibe Neuberg 1-275 ist,
von einigen Lücken abgesehen, ziemlich geschlossen erhalten, ab 276 beginnen die Verluste zu überwiegen. [52] Wir hoffen noch auf seine
Wiederentdeckung im Landesarchiv. Erst dann können konkrete Zahlen über die
ganze Bibliothek und die Verluste genannt werden. [53] St. Lambrecht wurde 1802 den
Benediktinern zurückgegeben; aus ihrer einstigen Bibliothek erhielten sie aber
nur die in Graz noch unverkauft gebliebenen Doppelstücke zurück. [54] Es befindet sich wieder im Stiftsarchiv
von St. Lambrecht. [55] Die St. Lambrecht-Grazer Handschriften,
ZfB 35, 1918, S. 64-73. [56] Leider ist unter den Verlusten des
letzten Krieges gerade aus St. Lambrecht eine Reihe von Pergamenthandschriften
zu beklagen [57] Die Zusammenstellung im HMKÖ S. 77-79
über die St. Lambrechter Handschriften nehmen auf diese Signierungsversuche
keinen Bezug; zu S. 77, Zeile 21, ist nach Fank (s. Arm. 38) S. 31 noch die Hs.
1046 hinzuzufügen [58] MBKÖ S. 81-84. [59] Hs. 342. [60] Bücher aus diesem Kloster konnten
bisher in unseren Beständen nicht festgestellt werden. [61] Die Eintragungen auf den Titelblättern
der Bücher aus Stainz lauten durchwegs Calatogo
Stainzensi inscriptus, was das Vorhandensein eines Kataloges bestätigt. Am
Rücken der Bücher sind Schildchen mit Nummern aufgeklebt: die bisher
festgestellte höchstvorhandene Zahl ist 3054; damit entspricht auch dieses
weststeirische Kloster dem steirischen Durchschnitt. Vgl. auch MBKÖ S. 106 f. [62] P. Radó erwähnte in einem Vortrag der
kath. Radio-Akademie d. österreichischen Rundfunks am 28. 12. 1967 drei
Breviere des 15. Jh.s aus Pöllau, die sich seit 1795 in der Dom-Bibliothek von
Steinamanger befinden; zwei davon sind mit 1479 bzw. 1480
datiert. Da alle drei Handschriften das gleiche Osterspiel wie die Vorauer Hs.
99 enthalten, ist als ursprüngliche Bibliotheksheimat wohl das Stift Voran
anzunehmen [63] MBKO S. 75. [64] Es sei denn, die "dispositio
maioribus incornmodis laborans" des Berichtes bezieht sich auf das
Zusammensuchen der Handschriften nach ihrer Herkunft. [65] Der Inhalt des Scrinium Nr. 43 wurde
auf die übrigen Scrinia verteilt, wodurch natürlich die theoretisch strenge
Systematik in der Praxis etwas durcheinandergeraten ist. [66] Erst Johann Andreas Schmeller an der
Bayrischen Hofbibliothek war es 1829 bis 1852 an einem allerdings weitaus
umfangreichen Material möglich, dieses Ordnungsprinzip zu verwirklichen und
dafür verdientes Lob zu ernten. [67] Da die wenigen türkischen und
arabischen Handschriften nicht in den alphabetischen Bandkatalog aufgenommen
wurden, blieben die oben erwähnten Zettel in den entsprechenden Bändchen
eingelegt und erlauben uns so einen Einblick in die Arbeit dieser Zeit [68] A. Schlossar, Erzherzog Johann von
Österreich und sein Einfluß auf das Culturleben der Steiermark, Wien 1878, S.
245 f. u. 363 ff. [69] Landesarchiv, Joannea 3596, 11.
Jahresbericht 1822, S. 27. [70] Dass es trotzdem noch Doppelsignaturen
gab, beweist ein Blick auf die Signaturenkonkordanz auf S. 481 f. [71] Vgl. K. Bartsch, Joseph Diemer
(Germania 15 = NR 3), Wien 1870, S. 460 f. [72] u. d. T. Handschriften des Stifts
Admont in Steyermark (Archiv für ältere deutsche Geschichtskunde 6), Frankfurt
1838, S. 162-181. [73] Verzeichnis der Handschriften der k. k.
Universitätsbibliothek Graz, BKstGqu 1, 1864, S. 17-46. [74] Seine Arbeiten sind zusammengestellt in:
Euphorion 25, Bamberg 1924, S. 20-42. [75] Eine Ausnahme bilden die etwas
kleineren Handschriften der Sign. 167-361. [76] Die "alte Sign." dieser
ausgeschiedenen Handschriften fehlt daher in der Signaturenkonkordanz; Hs. 917
konnte keine haben; zu Hs. 48 vgl. S. XII, Anmerkung 11. [77] Bei mehrtextigen Handschriften den
Verlust nur durch den nachgesetzten Stern zu kennzeichnen, hätte dem Benützer
bisweilen längeres Suchen im Katalogtext ausgelastet durch die Angabe des Abschnittes in der Beschreibung ist dies vermieden. Andererseits wird durch diese Angabe
die Zahl der * etwas vermindert. [78] ' Unter diesen waren auch die wenigen
türkischen und arabischen Handschriften; die alten Zettelangaben Sandmanns
überprüfte und korrigierte Frau Dr. Helene Löbenstein von der Österreichischen
Nationalbibliothek, wofür ihr an dieser Stelle nochmals gebührend gedankt sei. [79] Ihre Verzettelung für eine
gelegentliche Veröffentlichung ist geplant. [80] Die zahlreichen Sammelhandschriften mit
den verschiedensten Schreiberhänden machten hier, wie sonst nur selten, auch
die Angabe des Umfanges der entsprechenden Schriftart notwendig. Auch sei hier
nochmals wiederholt, dass genauere Beschreibungen nur Handschriften bis 1600
finden. [81] Köllner, Herbert, Zur
kunstgeschichtlichen Terminologie in Handschriftenkatalogen (Zeitschrift für
Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderheft), Frankfurt 1963, S. 138-154. [82] Aus der Natur der Sache heraus kommen
daher manche Handschriften in jeder Buchschmuckgattung vor [83] vgl. Anm. 1, S. 147. |